Pakistan zeigt den scharfen Gegensatz zwischen hoher Zinslast des Staates und kaum verschuldeten Haushalten. Warum Schulden nur im Kontext von Einkommen, Kreditzugang und Wohlstand zu bewerten sind.
Es gibt nur wenige Länder, in denen die Hälfte des Staatshaushalts für den Schuldendienst reserviert ist. In Pakistan ist das der Fall. Für das Haushaltsjahr 2025/2026 plante die Regierung mit Zinszahlungen in Höhe von 8,2 Billionen Pakistanischen Rupien, was 46,7 Prozent des gesamten Bundeshaushalts entsprach. So gesehen wirkt die Staatsschuldenlast Pakistans erdrückend hoch.
Warum Pakistans Haushalte kaum Kredite aufnehmen können
Keine Schulden zu haben, erscheint allerdings ebenso wenig empfehlenswert. Davon können Pakistans Haushalte berichten, deren Verschuldung gerade einmal zwei Prozent des BIP beträgt. Damit liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei nicht einmal 50 US-Dollar. Der Grund für die niedrige Verschuldung ist ganz einfach:
Vielen Menschen fehlt angesichts ihrer prekären wirtschaftlichen Situation schlicht der Zugang zu Krediten. Mehr als 80 Prozent der Arbeitnehmer im Land arbeiten in informellen Beschäftigungsverhältnissen. Die Lebenserwartung liegt im Schnitt bei weniger als 70 Jahren.
Im Beispiel Pakistans sind ein überschuldeter Staat und eine Bevölkerung, die zwar niedrig verschuldet ist, gleichzeitig aber auch ein geringes Wohlstandsniveau aufweist, zwei Seiten der gleichen Medaille.
Bisher erschienen:
1/8 - Argentinien - Warum eine Staatspleite selten allein kommt
2/8 - Schweiz - Hohe Schulden als Qualitätssiegel?
3/8 - Norwegen - Sorgenfreie Schuldenlast
4/8 - Italien - Ein Leben an der Zinsgrenze
5/8 - USA - Der Schuldenmagnet
6/8 - China - Vom Wachstumswunder zum Schuldenriesen
7/8 - Japan – Das „Perpetuum Mobile“ der Staatsfinanzen
8/8 - Pakistan – Zwei Seiten einer Medaille - Flossbach von Storch
Serie "Der Schuldenatlas"
Das Beispiel zeigt: Eine Schuldenquote allein sagt wenig aus. Entscheidend sind unter anderem Wirtschaftskraft, Vermögen, Zinslast, Währung, institutionelle Stabilität und die Verwendung des geliehenen Geldes. Der „Schuldenatlas“ ist eine Serie zu Julian Marx’ Beitrag „Welche Schuldenlast können wir uns leisten?“. Darin zeigt er, warum die Höhe der Schulden allein noch nichts über ihre Tragfähigkeit aussagt.
Glossar
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