China ist zur zweitgrößten Volkswirtschaft geworden – und hat zugleich Schulden in Staat, Unternehmen und Haushalten stark ausgeweitet. Warum die Gesamtverschuldung heute rund 300 Prozent des BIP erreicht.
Chinas Wirtschaft erlebte in diesem Jahrtausend einen rasanten Aufstieg. Noch im Jahr 2000 erwirtschaftete das Reich der Mitte ein Bruttoinlandsprodukt, das nur ein Fünftel der Wirtschaftsleistung des Euroraums ausmachte. Keine zwanzig Jahre später hat China der Eurozone den Rang abgelaufen. Seit 2018 liegt das chinesische BIP Jahr für Jahr über dem des Währungsgebiets.
Chinas Schulden wachsen in allen drei Sektoren
Doch auch in puncto Schulden befindet sich China auf der Überholspur. Nicht nur, dass sich Chinas Staatsschuldenquote zwischen 2010 und 2025 von 33 auf 99 Prozent des BIP fast verdreifacht hat.
Die Unternehmen und Privathaushalte hat das Schuldenwachstum ebenso erfasst. Während die Verschuldung der Privathaushalte in den vergangenen 15 Jahren von 22 auf rund 60 Prozent des BIP kletterte, gehören Chinas Unternehmen mit einer Schuldenquote von zuletzt gut 140 Prozent des BIP zu den höchstverschuldeten der Welt.
Dabei entfällt allerdings ein großer Teil der Unternehmensschulden auf Staatsfirmen und kann daher gedanklich auch den Staatsschulden zugerechnet werden.
Gesamtverschuldung: China liegt vor USA und Euroraum
Im Ergebnis hatte die chinesische Gesamtverschuldung (Summe aus Staats-, Unternehmens- und Haushaltsschulden) Ende vergangenen Jahres ein Niveau von rund 300 Prozent des BIP erreicht.
Die weltgrößte Volkswirtschaft USA kam hingegen nur auf knapp 270, der Euroraum auf etwas weniger als 250 Prozent des BIP.
Serie "Der Schuldenatlas"
Das Beispiel zeigt: Eine Schuldenquote allein sagt wenig aus. Entscheidend sind unter anderem Wirtschaftskraft, Vermögen, Zinslast, Währung, institutionelle Stabilität und die Verwendung des geliehenen Geldes. Der „Schuldenatlas“ ist eine Serie zu Julian Marx’ Beitrag „Welche Schuldenlast können wir uns leisten?“. Darin zeigt er, warum die Höhe der Schulden allein noch nichts über ihre Tragfähigkeit aussagt.
1/8 - Argentinien - Warum eine Staatspleite selten allein kommt
2/8 - Schweiz - Hohe Schulden als Qualitätssiegel?
3/8 - Norwegen - Sorgenfreie Schuldenlast
4/8 - Italien - Ein Leben an der Zinsgrenze - Flossbach von Storch
5/8 - USA - Der Schuldenmagnet
Mehr zur Einordnung Chinas
Das Flossbach von Storch Research Institute ordnet die geopolitische und wirtschaftliche Herausforderung Chinas hier ein: „Die chinesische Herausforderung“
Zum Weiterhören
Wie die chinesische Immobilienkrise den Schuldenaufbau der privaten Haushalte prägt, erklärt unser Podcast „Hypotheken als Betrugsmasche“
Glossar
Verschiedene Fachbegriffe aus der Welt der Finanzen finden Sie in unserem Glossar erklärt.
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