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Geldanlage
8 Minuten

„Der Krieg ist nicht der einzige Markttreiber“

- Redaktion Flossbach von Storch

Der Iran-Krieg beschäftigt die Kapitalmärkte. Im Interview spricht Tobias Schafföner, geschäftsführender Direktor und Head of Multi Asset, über Inflationsrisiken, den Anleihemarkt, attraktive Aktien und den Preissturz bei Gold.

Ist der Krieg im Iran bald vorbei, wie von US-Präsident Trump angekündigt?

Das wird sich zeigen. Donald Trump ist ohne strategischen Plan in diesen Krieg hineingestolpert – und muss nun überlegen, wie er möglichst bald wieder herauskommt. Mit wem er überhaupt einen Deal machen und wie glaubwürdig er einen Sieg verkünden kann.

Klingt, als würde ihm die Zeit davonlaufen?

Wenn man auf den Benzinpreis in den USA schaut, liegt die Gallone mittlerweile bei rund vier Dollar – 40 Prozent mehr als zu Jahresanfang. Das spüren die Amerikaner im Portemonnaie, ganz konkret. Das ist etwas anderes im Vergleich zum vergangenen Frühling, als Trump den Zollstreit vom Zaun gebrochen hat; da waren die Inflationseffekte diffuser und nicht sofort spürbar. Kein Wunder also, dass die große Mehrheit der Amerikaner den Krieg im Iran ablehnt.

Mit Blick auf die Inflationsgefahren durch die hohen Energiepreise drängt sich vor allem der Vergleich zu 2022 auf, als die Teuerungsraten weit über das Inflationsziel der Notenbanken „hinausgeschossen“ sind – erleben wir ein Déjà-vu?

In Deutschland sind die Preise im März um 2,7 Prozent gestiegen. Energie ist mehr als sieben Prozent teurer als im Vorjahr. Auch 2022, nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, sind die Energiepreise deutlich gestiegen. Damals kamen aber noch weitere Faktoren hinzu.

Welche meinen Sie?

Zum einen die unterbrochenen Lieferketten infolge der Corona-Pandemie. Und zum anderen sehr viel Geld; Geld, das die Konsumenten während der Lockdowns nicht ausgeben konnten bzw. nicht ausgegeben haben. In den USA gab’s Konsumschecks, in Europa die uns bekannten Hilfspakete. Dieses Geld hat in Verbindung mit den zum Teil kaputten Lieferketten und den gestiegenen Energiepreisen die Inflation massiv angeschoben, auf Rekordniveaus. Das sehe ich diesmal nicht.

Mit welchen Inflationsraten ist denn in Deutschland perspektivisch zu rechnen?

Angesichts der höheren Energiepreise ist es nicht ausgeschlossen, dass sich die Teuerung Richtung drei, vier Prozent bewegt. Das ist nicht schön, aber noch weit entfernt von den bis zu zehn Prozent, die wir 2022 erlebt haben. Was heute zudem inflationsdämpfend wirkt, ist, dass der Angebotsschock auch deutliche Nachfrageeffekte erzeugen wird.

Was heißt das?

Wir müssen davon ausgehen, dass weniger Geld ausgegeben wird – heißt: Die Wirtschaft wächst deutlich schwächer. Der Inflationsanstieg begrenzt sich also selbst.

Inflation ist Gift für den Anleihemarkt, das haben viele Anlegerinnen und Anleger 2022 leidvoll erfahren müssen – wie groß schätzen Sie die Risiken für Bonds ein?

Auch da lässt sich die Situation heute nur schwerlich mit der vor vier Jahren vergleichen. Vor der russischen Invasion lagen die Renditen bei zehnjährigen Bundesanleihen unter null. Heute stehen sie bei mehr als drei Prozent – und damit auf einem Niveau, das, trotz zahlreicher Leitzinsanhebungen, 2022 oder 2023 nicht erreicht wurde. Damals war das Rückschlagpotenzial also deutlich höher als heute.

Also würden Sie sagen, dass am Anleihemarkt schon einiges „eingepreist“ ist?

Wir kommen zumindest nicht von sorglosen Niveaus. Vielleicht zur Einordnung: In der Eurozone werden vom Markt drei Zinsschritte nach oben antizipiert, also Zinsanhebungen in Reaktion auf den Ölpreis-Schock. Diese würden dann den Leitzins von 2,0 aktuell auf 2,75 Prozent bringen. Zehnjährige Bundesanleihen notieren aber schon bei rund drei Prozent. Heißt: Selbst drei Zinsschritte würden nicht ausreichen, um den Leitzins über die langfristigen Renditen zu hieven. Insofern können Anleihe-Anleger unseres Erachtens recht entspannt bleiben.

Schauen wir noch kurz auf die anderen Anlageklassen. Die Aktienmärkte haben erwartungsgemäß nachgegeben. Verloren haben nicht zuletzt Titel, die eigentlich nichts mit dem Krieg zu tun haben …

Wir sollten nicht vergessen, dass der Krieg derzeit nicht der einzige Markttreiber ist. Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) hat die Märkte schon vor Ausbruch bewegt – und wird es wahrscheinlich auch weit nach Kriegsende bewegen. Nehmen wir die These, dass der Bereich Unternehmenssoftware komplett von der KI disruptiert wird. Der Aktienkurs einiger Unternehmen spiegelt genau das wider. Aber ist das wirklich so? Vermutlich nicht in jedem Fall. Insofern lohnt es sich aus Investorensicht, genau hinzuschauen und die fundamentalen Auswirkungen sowie die Ertragsperspektiven der Unternehmen gewissenhaft in den Blick zu nehmen.

Sind das schon Indexstände, bei denen Sie sagen würden: jetzt kaufen?

Das lässt sich pauschal nicht sagen, sondern hängt zuallererst von der Bewertung einzelner Unternehmen ab, weniger von den Indexständen. Bei einigen Softwarefirmen beispielsweise würden wir sagen, dass die Bewertungen zunehmend attraktiver werden. Heißt aber nicht, dass wir „all in“ gehen. Positionen bauen wir immer schrittweise auf. Wir haben noch genug trockenes Pulver, um bei weiteren Kursrückgängen reagieren zu können.

Bemerkenswert ist der Goldpreis – die Anlageklasse, die in den vergangenen Wochen am meisten verloren hat. Wie passt das mit dessen Staus als sicherer Hafen zusammen?

Das passt sogar sehr gut – und ist gewissermaßen die Tragik der Anlageklasse: Langfristig ist Gold der sichere Hafen, kurzfristig aber die liquideste Anlageklasse. Wenn also Liquidität benötigt wird – gerade in Stressphasen ist das der Fall – lässt sich Gold jederzeit liquidieren. Genau das passiert dann auch und erklärt die relativ hohe Volatilität, also die hohen Wertschwankungen des Edelmetalls.

Vielen Dank für das Gespräch.

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