Die Altersvorsorge droht zur Schicksalsfrage künftiger Generationen zu werden. Aber wie denken junge Menschen überhaupt darüber?
Die Sorge um die eigene Altersvorsorge beschäftigt die junge Generation aus gutem Grund. Der demografische Wandel bringt das Kräfteverhältnis zwischen „Jungen“ und „Alten“ ins Ungleichgewicht und trübt damit die Zukunftsaussichten der gesetzlichen Rentenversicherung.
Warum junge Menschen die Rente als Risiko sehen
Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Wirkung auf die Wahrnehmung junger Menschen. Im Rahmen der „MetallRente Jugendstudie 2025“ wurden junge Menschen zwischen 17 und 27 Jahren zu ihren Einstellungen hierzu befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die allermeisten Befragten keine Illusionen machen: Drei von vier befürchten, im Alter lediglich eine geringe Rente zu beziehen, verbunden mit der realen Angst vor Altersarmut.
Gleichzeitig dokumentiert die Studie ein bemerkenswertes Gegenbild: Eine große Mehrheit der jungen Menschen ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und aktiv Entscheidungen für die eigene finanzielle Zukunft zu treffen. Es fehlt also nicht an Bereitschaft, sondern an Orientierung. Denn gleichzeitig geben rund 70 Prozent der jungen Menschen an, sich mit dem Thema Altersvorsorge kaum oder gar nicht auszukennen und sich entsprechend überfordert zu fühlen.
Diese Unsicherheit ist jedoch nicht gleich verteilt. Besonders ausgeprägt ist sie bei Frauen, Personen mit niedrigem Bildungsabschluss sowie bei Menschen mit geringem Einkommen. Die Kombination aus hoher Betroffenheit und geringer Handlungssicherheit verschärft das Risiko langfristig.
Finanzbildung als Schlüssel zur Vorsorge
Ein konsistentes Bild liefern internationale und nationale Studien: Finanzielle Bildung erweist sich als entscheidender Hebel. So zeigen unter anderem der OECD Pensions Outlook sowie die Finanzbildungsstudie 2022, dass ein besseres Verständnis finanzieller Zusammenhänge nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Einstellungen verändert.
Wer Risiken einschätzen kann und zentrale Konzepte der Altersvorsorge versteht, entwickelt eher die Motivation, frühzeitig und strukturiert vorzusorgen. Mit wachsender finanzieller Kompetenz sinken die Kosten der Informationsbeschaffung und -verarbeitung. Entscheidungen werden einfacher, Planungsprozesse klarer und die Hemmschwelle, sich mit der eigenen Zukunft auseinanderzusetzen, nimmt ab.
Studien zeigen sehr klar, dass finanziell gebildete Menschen zuversichtlicher hinsichtlich ihrer Altersvorsorge sind, deutlich eher private Altersvorsorgeprodukte nutzen, ihre Finanzen langfristig planen und sich auch an diese Planung halten. Die Herausforderung ist somit klar umrissen: Es geht weniger darum, junge Menschen von der Notwendigkeit der Vorsorge zu überzeugen.
Dieses Bewusstsein ist bereits vorhanden. Vielmehr bedarf es zielgerichteter Bildungs- und Unterstützungsangebote, die aus Bereitschaft tatsächliche Handlungsfähigkeit entstehen lassen. Die Altersvorsorge der Zukunft wird damit nicht nur eine Frage der Systeme sein, sondern auch eine der individuellen Befähigung durch eine Verankerung von Wirtschafts- und Finanzbildung für alle.
Über den Autor:
Tim Schort arbeitet für die Flossbach von Storch Stiftung. Die Flossbach von Storch Stiftung macht sich dafür stark, die Wirtschaftsund Finanzbildung von Schülerinnen und Schülern, Studierenden und der breiten Bevölkerung zu fördern und zu verbessern. Denn wer Zusammenhänge versteht, kann kritische Fragen stellen, Plausibilitäten überprüfen und sich bewusst um seine wirtschaftliche Situation kümmern – heute und für die eigene Zukunft. Dazu braucht es kein Expertenwissen. Unser Antrieb ist die Vision einer starken und demokratischen Gesellschaft, in der jeder Mensch ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben führen
und vorausschauend handeln kann. Dazu gehört Wirtschafts- und Finanzbildung als ein unentbehrlicher Bestandteil der Allgemeinbildung.
Glossar
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