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Aktien
6 Minuten

Gesundheit: Ein wichtiger Baustein im Portfolio

- Eugen Uretzki

Pharma-Aktien haben an Aufmerksamkeit verloren. Dabei gibt es gute Gründe, weshalb dieser Sektor – wie auch andere Segmente des Gesundheitsmarkts – langfristig attraktive Chancen bietet.

Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Februar 2020 war die Welt auf der Suche nach einem Impfstoff – und Biopharma-Aktien erlebten eine Rally, die bis nach Mainz zu Biontech reichte. Doch seit der Fortschritt bei Künstlicher Intelligenz (KI) die Aktienkurse großer Indizes immer weiter nach oben treibt, bleibt die Wertentwicklung des Gesundheitssektors zurück.

Dabei gilt es als wahrscheinlich, dass gerade die Medizin dauerhaft und massiv von KI-Entwicklungen profitieren dürfte. Doch vor allem Maßnahmen und Vorhaben der Regierung Trump sorgen vielfach für Unsicherheit – und lassen viele Anlegerinnen und Anleger strukturelle Wachstumstreiber im Segment übersehen.

In unseren Portfolios würden wir nicht auf Unternehmen eines Bereichs verzichten wollen, der für eine konjunkturunabhängige Geschäftsentwicklung bekannt ist und somit eine hohe Vorhersagbarkeit der Gewinnentwicklung verspricht – zumal der Gesundheitsmarkt strukturelle Wachstumstreiber bietet, die ihn auch jenseits außergewöhnlicher Trendphasen wie einer Pandemie zu einem attraktiven Investitionsfeld machen.

Demografie und Innovationen als Wachstumstreiber

Die globalen demografischen Veränderungen steigern den Bedarf an Medikamenten und medizinischer Betreuung. So soll die weltweite Bevölkerung bis Ende der 2050er-Jahre von derzeit rund acht auf dann geschätzte zehn Milliarden Menschen steigen. Im Zuge dessen steigt auch das Durchschnittsalter der Bevölkerung insbesondere in vielen sogenannten entwickelten Volkswirtschaften – womit das Auftreten vieler chronischer Krankheiten statistisch gesehen zunimmt.

Derweil ermöglicht die erstarkende Kaufkraft einer wachsenden Mittelschicht in vielen Emerging Markets den Zugang zu moderner medizinischer Versorgung und eröffnet somit überproportional wachsendes Umsatzpotential. Zudem sind die bestehenden medizinischen Lösungen für die meisten Erkrankungen (noch) nicht optimal, weshalb medizinische Innovationen gefragt sind. Hier hat sich das Tempo in den vergangenen Jahrzehnten enorm erhöht.

Erfolgreiche Medikamentenentwicklungen erschließen somit häufig unmittelbar kommerzielle Opportunitäten. Einige Beispiele:

  • Krebsist eine der häufigsten Todesursachen der Menschheit. Auch wenn sich die Sterblichkeit seit den 1970er-Jahren erheblich verringert hat, gibt es auch heute noch Krebsarten, die schwierig zu diagnostizieren und zu behandeln sind. Dank moderner onkologischer Medikamente wird die Krebsbehandlung immer präziser und personalisierter. So werden Medikamente mit chemotherapeutischer Wirkung oder Bestrahlung inzwischen direkt an betroffenen Tumorzellen wirksam, ohne das umliegende Gewebe zu schädigen, was Nebenwirkungen mildert. Andere moderne Krebsmedikamente richten sich gegen spezifische genetische Veränderungen im Tumor. Die zur Covid-Impfstoffentwicklung verwendete mRNATechnologie verspricht gar einen Zuschnitt der Therapie auf den individuellen Patienten.
     
  • In derMedizintechnik zieht zudem die Chirurgie-Robotik in die Operationssäle ein. Sie sorgt für minimalinvasive Eingriffe, was Komplikationsrisiken mildert und Ärzte, die die Geräte steuern, entlastet.
     
  • Parallel dazu gibt es grundlegende Innovationen in der Ausrüstung für die Forschung und Entwicklung und für die Produktion neuer Medikamentenklassen. Die neuartigen Präzisionswerkzeuge verkürzen die Entwicklungszeit neuer Medikamente und ermöglichen ihre kosteneffiziente Herstellung.

Historische Chancen also, nicht nur für Pharmafirmen, sondern auch für weniger prominente Segmente des Gesundheitsmarkts. Dabei unterscheiden sich die Bereiche in einigen Spezifika ihrer Geschäftsmodelle und den damit verbundenen Chancen und Risiken.

Klassische Pharmaunternehmen profitieren von Patenten auf ihre Medikamente, die ihnen hohe Margen sichern – allerdings nur über die begrenzte Laufzeit der Patente. Danach kommen billigere Nachahmerprodukte auf den Markt, und die Unternehmen müssen mit neuen Medikamentenentwicklungen für neue Umsatz- und Gewinnträger sorgen. Die Erforschung und die Entwicklung neuer Wirkstoffe unterliegen naturgemäß aber einem erhöhten Risiko.

Größere Pharmafirmen sind diesbezüglich über eine breite Forschungspipeline diversifiziert. Derweil verspricht der Fortschritt bei Anwendungen von KI, die Entwicklungszeiten neuer Medikamente künftig zu verkürzen. Da aber die Versorgung mit Medikamenten im Zentrum der politischen Aufmerksamkeit steht, unterliegt der Sektor einem gesteigerten politischen Risiko. Vor allem regulatorische Eingriffe und erzwungene Preisreduktionen in den USA schrecken derzeit viele Anleger ab.

Wenig politisches Risiko bei Medizintechnik und Lifescience-Tools

Weit weniger im Fokus stehen andere Subsegmente des Gesundheitsbereichs: Die Medizintechnik etwa, also – grob gesagt – die Ausrüstungs- und Verbrauchsgüter für das Krankenhaus. Beispiele hierzu sind etwa Systeme für den Operationssaal und Chirurgie-Instrumente, oder Produkte, die direkt am Patienten eingesetzt werden, etwa Herzschrittmacher, künstliche Gelenke oder Inkontinenzprodukte. Hinzu kommen weitere Vertreter der Lifescience-Tools oder der Ausrüster der biopharmazeutischen Forschung und Entwicklung.

Neben einem vergleichsweise geringen regulatorischen Risiko, profitiert die Medizintechnik auch von kürzeren Innovationszyklen als die Biopharmazie und gleichzeitig auch geringeren Entwicklungsrisiken, da die Produktneuerungen häufig inkrementeller Natur sind. Die Anwendung der Produkte am kranken Patienten ergibt für die Hersteller allerdings gleichermaßen gesteigerte Produkthaftungs- und Klagerisiken.

Der Lifescience-Bereich beliefert nicht die Patienten beziehungsweise die Ärzte, sondern vielmehr die Pharmafirmen und andere institutionelle Forschungsakteure, die die Produkte für den Endkunden entwickeln. Damit profitiert er von den genannten Makrotrends, ohne das Entwicklungsrisiko einzelner Medikamente zu tragen. Zudem spielen Produkthaftungsrisiken in diesem Geschäft eine kleinere Rolle.

Kennzeichnend für die Firmen ist oft das „Rasierer-Rasierklingen“- Geschäftsmodell: Die Installation eines bestimmten Forschungs- und Produktionsinstruments (der Rasierer) zieht wiederkehrende Käufe von exklusiv spezifizierten Verbrauchsgütern (die Rasierklingen) nach sich.

Eine Reihe struktureller Wachstumstreiber eröffnet also attraktive Chancen im Gesundheitsmarkt. Doch wie für jede Branche gilt: Eine profunde Analyse und gezielte Auswahl der Einzeltitel sind die Basis für erfolgversprechende Investments.

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