03.03.2020 - Flossbach von Storch

Eine kurze Geschichte des Goldes


Gold ist tief in unserem Wertbewusstsein verankert. Seit Jahrhunderten sehen die Menschen im Gold ein werthaltiges Metall – das dürfte auch in 100 Jahren noch so sein.

Zwanzig mal zwanzig mal zwanzig Meter. So groß wäre (etwas abgerundet) der Würfel, wenn man alles Gold, das jemals gefördert wurde, einschmelzen und zu einem Block fügen würde. Etwa die Hälfte von allem jemals geförderten Gold ist Schmuck, der weltweit seit Jahrtausenden verkauft, verschenkt oder vererbt wird. Der Rest liegt entweder in Barrenform in den Safes der Zentralbanken, dient als Rohstoff oder als Geldanlage.

Die vielleicht wichtigste Eigenschaft von Gold: Das Edelmetall ist ein Wertspeicher des Vermögens. Diese Funktion hatte Gold über Jahrtausende. Das sind die Ergebnisse einer Studie des Flossbach von Storch Research Institute, die wir im Folgenden zusammenfassen. Eine Reise in die Vergangenheit zeigt, wie Gold dabei half, den monetären Herausforderungen der Vergangenheit zu trotzen.

Als Schmuck wurde Gold bereits verwendet, als Menschen nach der Steinzeit damit begannen, Metall zu bearbeiten. Doch der lydische König Krösus soll der Erste gewesen sein, der 550 vor Christi Geburt offiziell gültige Goldmünzen prägen ließ.

Gold als Tauschmittel

Seine Schatzkammern waren prall gefüllt, auch weil er mehrere Minen zugleich ausbeuten ließ. Die Erfindung des Münzgelds ist ihm aber wohl nicht zuzuschreiben. Es wurden etwa 150 Jahre ältere Edelmetallklumpen gefunden, die griechische Händler abgewogen und mit einem Stempel versehen hatten. Münzen und Klumpen erleichterten Tauschgeschäfte beträchtlich: Zuvor mussten sich zwei Partner finden, die jeweils die Güter, die der andere nachfragte in der gewünschten Menge anboten. Jetzt verfügten sie über ein Tauschmittel, das teilbar, kompakt, haltbar und werthaltig war.

Der römische Kaiser Cäsar belohnte seine Legionäre nach erfolgreichen Kriegen mit hohen Goldsummen. Sein Großneffe Augustus führte dann die erste Geldordnung ein, die auf Gold-, Silber-, Messing- und Kupfermünzen basierte. Dieses System gilt als Grundlage für alle europäischen Geldordnungen bis in die Neuzeit.

Nero sorgt für Inflation

Doch schon Kaiser Nero ließ aus dem vorhandenen Edelmetall immer mehr Münzen prägen und löste damit eine der ersten Güterpreisinflationen durch Geldverschlechterung aus. Sein Nachfolger Vespasian versuchte zwar, den Haushalt zu sanieren. Doch in den folgenden Jahrhunderten ging die Geldverschlechterung immer weiter. Im dritten Jahrhundert war die Qualität der Silbermünzen dann so schlecht, dass Händler ihre Annahme verweigerten. Goldmünzen blieben dagegen relativ stabil.

Kaiser Konstantin legte 309 mit dem „Solidus“ als neue Goldmünze die Grundlage für eine neue Leitwährung für Europa, die bis zur Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 ihren Wert behielt. „Der Solidus war sozusagen der erste Euro“, erklärt Marius Kleinheyer, Analyst beim Flossbach von Storch Research Institute. In Mitteleuropa setzte erst Karl der Große eine einheitliche Münzprägung durch. Das Geldsystem wurde durch Silber dominiert. Der Kaiser setzte sich jedoch mit der gelegentlichen Prägung von Goldmünzen bewusst in die Tradition der Römer.

Neuzeit: Papiergeld und Goldstandard

Zahlreiche Erfindungen begleiteten den Aufbruch in die Neuzeit. Eine der wichtigsten: Mitte des 17. Jahrhunderts entstand das erste Papiergeld. Es wurde aus der Not geboren, als in Schweden Kupfermünzen als Folge des 30-jährigen Krieges und der Spekulation der Bürger mit diesen Münzen knapp wurden. Schon wenige Jahre später musste die Bank, die es gedruckt hatte, in Staatshand überführt werden, weil sie mehr Papiergeld emittiert hatte, als sie Kupfermünzen angenommen hatte. Ähnliche Probleme traten später auch in anderen Ländern auf. Gold, das zeigt auch dieses Beispiel, taugt als Wertspeicher besser als Papier.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts etablierten die führenden Industrienationen der Welt den Goldstandard. Nach der Gründung des Deutschen Reichs wurde 1873 die Goldwährung eingeführt. Das Papiergeld und die umlaufenden Scheidemünzen standen wertmäßig in einer festen Relation zum Goldkern der Währung. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs war die Zentralbank verpflichtet, die Scheine auf Verlangen in Goldmünzen einzulösen.

Weltkriege sorgen für das Ende des Goldstandards

In den Weltkriegen kündigten die kriegsführenden Staaten den Goldstandard auf. 1944 einigten sich die Siegermächte dann auf das Bretton-Woods-Abkommen. US-Dollar und Gold standen dabei in einem festen Austauschverhältnis von 35 US-Dollar pro Unze. Die USA verpflichteten sich gegenüber den Mitgliedsländern, den US-Dollar zu diesem Kurs in Gold umzutauschen. Die Mitgliedsländer wiederum wiesen eine Parität der eigenen Währung zum US-Dollar aus. „Doch es gab einen Konstruktionsfehler“, erläutert Kleinheyer: „Die Emission von US-Dollar war nicht an die Produktionsmenge von Gold gekoppelt.“ 1971 stiegen die USA aus dem Abkommen aus. Danach begann das bis heute gültige Kreditgeldsystem mit mehr oder weniger freien Wechselkursen der nationalen Währungen untereinander.

20. und 21. Jahrhundert: Gold als Geldanlage und Währung der letzten Instanz

Nachdem Gold seine Geldfunktion verloren hatte, glich seine Wertentwicklung nicht nur die Inflation aus, sondern erzielte einen realen Wertzuwachs. So hat sich der Goldpreis seit 1973 mehr als verzehnfacht. Das entspricht einer Verzinsung von etwa 5,5 Prozent per annum. Die Inflation lag im selben Zeitraum in den USA bei etwa 4,0 Prozent per annum.

Seit 2003 ist Gold (direkt/indirekt) Bestandteil der Anlagestrategie von Flossbach von Storch. Die wachsende Kaufkraft der Menschen in goldaffinen Nationen wie Indien und China war dafür zunächst das Anlagemotiv. Gold war Globalisierungsgewinner, und tatsächlich sollte sich der Goldpreis im folgenden Jahrzehnt vervielfachen – auch dank der hohen Nachfrage in diesen beiden Ländern.

Finanzkrise löst große Nachfrage aus

Doch von 2007 bis 2009 stagnierte die Nachfrage. Gleichzeitig hat sich der Goldpreis von gut 600 auf 1.200 Dollar verdoppelt. Ein Grund war, dass Zentralbanken in den Jahren 2009 und 2010 von Nettogoldverkäufern zu -käufern mutierten. Doch es gab noch einen weiteren Grund: Nach der Lehman-Pleite im September 2008 und der anschließenden Finanzmarktkrise setzte eine große Nachfrage ein. Diese Käufe erfolgten in hochliquiden ETFs und ETCs, die von 2008 bis 2010 einen Zufluss von 1.220 Tonnen verzeichneten, da viele dieser Papiere mit physischem Gold hinterlegt werden.

Heute ist Gold bei Flossbach von Storch vor allem die Währung der letzten Instanz. Eine Versicherung gegen die uns bekannten und unbekannten Risiken des Finanzsystems, insbesondere gegen die möglichen Folgen der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken. Denn der Wert des Goldes hängt vom Vertrauen der Menschen in die Geldordnung, in das Papiergeldsystem ab. Wer erwartet, dass die Inflation an der Kaufkraft seines Ersparten nagt, dass – im Extremfall – ganze Währungen untergehen, der verliert Vertrauen und greift zu Gold. So wie in den Jahren 2007 bis 2011, als das globale Finanzsystem zu kollabieren drohte, und der Goldpreis das Allzeithoch von 1.900 US-Dollar je Feinunze erklomm. In Euro gerechnet erzielte Gold das Allzeithoch im Herbst vergangenen Jahres, als eine Unze Gold mehr als 1.400 Euro wert war. Noch deutlicher zeigt sich die Funktion als Wertspeicher in Krisenländern mit hoher Inflation.

Die Zukunft: Kryptogeld auf Basis von Gold?

„Wie in der Vergangenheit könnte Gold auch bei den Währungen der Zukunft eine wichtige Rolle spielen“, schreibt Kleinheyer in seiner Studie. So ist der Bitcoin eine Folge der Finanzkrise ab 2007. Wie bei Gold ist die Gesamtmenge der Bitcoins begrenzt und unabhängig vom politischen Willen der Gelddrucker.

Wird die Blockchain-Technologie genutzt, um Geld direkt zu schaffen und auf Nutzerkonten zu transferieren, sinken die Transaktionskosten. Ein Goldstandard könnte den Werterhalt von neuen digitalisierten Währungen sichern, abrupte Kursschwankungen wie bei aktuellen Kryptogeldern reduzieren. Gold ist Geld – auch wenn das in digitalen Datenbanken lagert.

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