28.09.2021 -
Immer noch bevorzugen die Deutschen bei ihren Ersparnissen Tages- oder Festgeld. Angesichts der Null- und Negativzinsen fahren sie damit sichere Verluste ein.
Die Deutschen und das Sparbuch – trotz Null- und Negativzinsen scheinen sie unzertrennlich. 40 Prozent der Ersparnisse sind hierzulande in Bargeld, Sichteinlagen und Festgeld angelegt. Laut Zahlen der Bundesbank lagen zum Ende des ersten Quartals rund 2.858 Milliarden Euro auf weitgehend zinslosen Konten. Dabei sind die Zinserträge weiter empfindlich gesunken, zeigt der aktuelle Monatsbericht der Bundesbank. So reduzierten die deutschen Banken allein im vergangenen Jahr ihren Zinsaufwand im Einlagengeschäft (nicht nur bei Privatkunden) um rund 1,3 Milliarden Euro: „Etwa die Hälfte der gesamten Reduktion des Zinsaufwands rührt daher, dass negative Durchschnittszinsen auf Einlagen eingeführt oder ausgeweitet wurden“, heißt es im Monatsbericht. Dabei kann man den Banken kaum einen Vorwurf machen, da sie ja selbst auch Negativzinsen auf Einlagen bei der Europäischen Zentralbank entrichten müssen.
Bedenklich stimmt jedoch, dass weitere 35 Prozent des Geldvermögens der Deutschen, oder 2.484 Milliarden Euro, Forderungen an Versicherungen sind. Auch die laufende Verzinsung von kapitalbildenden Lebenspolicen sinkt seit vielen Jahren. Nach vorne betrachtet ist wohl kaum Besserung zu erwarten. Angesichts der wieder steigenden Inflation nimmt die Geldentwertung an Fahrt auf. Keine guten Nachrichten für die klassische private Altersvorsorge.
Fest vereinbarte jährliche Zinsausschüttungen scheinen dennoch nach wie vor eine magische Anziehungskraft auf die Deutschen auszuüben. So ist ihre Vorliebe für Anleihen sicher auch historisch begründet und hat sich über Jahrzehnte verfestigt. Wer ab 1970 bis 2012 etwa in ein sinnvoll diversifiziertes Portfolio aus Bundesanleihen investiert war, hat im Durchschnitt pro Jahr 3,9 Prozent Wertzuwachs (vor Steuern und Kosten; nach Abzug der Inflation) verbuchen können. Dieser Erfolg hat sich (in Teilen regulatorisch bedingt) im Anlageverhalten festgesetzt – auch und gerade bei professionellen Anlegern. Dabei hat sich bereits seit 2012 das Blatt gewendet. Der Anlageerfolg lag seither bei etwa null Prozent per annum. Aufgrund der Minuszinsen auf vielen Konten und den negativen Renditen sicherer Anleihen wird er nun, nicht nur real gesehen, ins Minus drehen. Damit könnte der Groschen bei vielen Anlegern fallen: Wer Vermögen erhalten will, braucht eine Anlagealternative.
Bleibt die Anlageklasse Aktien. Unterm Strich sind wir davon überzeugt, dass das Geld bei gut ausgewählten Unternehmen mit starken und über mehrere Jahre gut kalkulierbaren Erträgen gut aufgehoben ist. Hier finden Anleger derzeit wohl das beste Chancen-Risiko-Verhältnis für ihr Vermögen. Zumindest wenn sie Zeit mitbringen – und eher in Dekaden als Kalenderjahren denken.