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Aktien
6 Minuten

„Momentum an den Märkten“

- Redaktion Flossbach von Storch

Wenn bestimmte Aktien immer weiter steigen und andere immer weiter fallen, stehen wir vor Herausforderungen – nutzen aber vermehrt Chancen, erläutert Portfoliomanager Michael Illig.

Herr Illig, im vergangenen Jahr schaffte der weltweite Aktienindex MSCI World im Gesamtjahr auch für Euro-Anlegerinnen und Anleger einen Wertzuwachs von knapp sieben Prozent. Trotz aller Turbulenzen klingt das nach einem ordentlichen Börsenjahr, oder?

Auf den ersten Blick schon. Doch unter der Oberfläche ergibt sich ein etwas gemischteres Bild. Der Kapitalmarkt schwankte zwischen Skepsis und Euphorie, wobei in manchen Zeiträumen beide Zustände zeitgleich zu beobachten waren. Daraus ergab sich innerhalb des Marktes eine große Divergenz, die durch eine starke Ausprägung des Faktors „Momentum“ verstärkt wurde. Das bedeutete im Ergebnis, dass in der Tendenz zuletzt gestiegene Aktien weiter stiegen und zuletzt gefallene Aktien weiter fielen.

Können Sie dafür ein Beispiel geben?

Gerne. Besonders zu erwähnen ist hier der Sektor Informationstechnologie. Vordergründig könnte man sich wundern, warum sich dieser Bereich im Zuge der KI-Euphorie mit plus neun Prozent nur leicht überdurchschnittlich entwickelte. Ein tieferer Blick verrät, wie stark Marktteilnehmer Unternehmen in KI-Gewinner und Verlierer unterteilten. Insgesamt waren hier etwas mehr als die Hälfte der Aktien im Minus, knapp 60 Prozent fielen oder stiegen dabei um mehr als 20 Prozent. Von den Software-Unternehmen wiesen mehr als 80 Prozent ein Minus auf, während im Bereich der Halbleiterhersteller und -ausrüster 57 Prozent der Aktien um mehr als 20 Prozent stiegen.

Und was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger?

Auch in unserem Portfolio rangierten auf der Liste der positiven Wertbeiträge für das Gesamtjahr 2025 zwei Ausrüster von Datenzentren vorn, gemeinsam mit der Google-Muttergesellschaft Alphabet als Betreiber von Datenzentren und Entwickler von KI-Modellen und -Anwendungen sowie einem Ausrüster von Halbleiterherstellern. Hingegen spielten zuletzt aufgekommene Sorgen, ein allzu schnelles Voranschreiten der Fähigkeiten von KI könnte zukünftig einen Gegenwind für ihre Geschäftsmodelle darstellen, bei vier der sieben größten negativen Wertbeiträge eine Rolle, darunter drei Unternehmenssoftwareanbieter.

Dass der Halbleiterbereich und die Ausrüster der teuren Datenzentren, die KI ermöglichen sollen, als vermeintliche KI-Profiteure gelten, klingt nachvollziehbar. Doch wieso standen Softwarehersteller unter Druck?

Hier scheinen zwei Sorgen am Markt besonders ausgeprägt. Einerseits könnte die meist in Nutzerlizenzen abgerechnete Software an Relevanz verlieren, wenn KI-basierte Effizienzgewinne oder gar KI-Agenten die Anzahl der Nutzer der Computerprogramme reduziert. Andererseits könnte sich der Wettbewerb verschärfen, wenn mithilfe effizienter KI-Programmierungstools schneller und günstiger Software geschrieben werden kann oder Konkurrenten KI besser in bestehende Systeme einzubetten verstehen.

Und was denken Sie?

Wir nehmen beide Sorgen sehr ernst. Daher habe ich mir im vergangenen Dezember einige US-Softwareanbieter und Tech-Investoren in den USA angesehen. Sie bestärkten mich in der Überzeugung, nicht zu stark in Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen. Die Technologie hat zwar erhebliches Potenzial, doch der Einsatz in den Unternehmen erscheint vielfach noch unausgereift und überschaubar. Dabei wird sich im Software-Sektor allgemein sicher einiges ändern. Allerdings schätzen wir für auf missionskritische Unternehmensanwendungen fokussierte Softwareanbieter, die besonders tief und umfangreich bei ihren Kunden eingebettet sind, das Disruptionspotenzial deutlich geringer ein.

Wir reden jetzt vor allem über Technologieunternehmen. Ihr Portfolio ist aber breit gestreut, oder?

Ja, zum Jahreswechsel waren bei uns etwa 24 Prozent im Sektor Informationstechnologie investiert – aufgeteilt in Software, Hardware sowie Dienstleistungen. Die Bereiche Finanzen, Industrie, Gesundheit und Basiskonsum umfassten mit jeweiligen Allokationen von 14 bis 19 Prozent gemeinsam rund 63 Prozent des Fondsvermögens.

Eine äußerst diversifizierte Strategie, wenn man bedenkt, dass mehr als ein Drittel des US-Leitindex S&P500 auf den IT-Sektor entfallen, und acht riesige US-Technologiekonzerne den Index anführen ...

… von denen einige dank ihrer hohen Gewichtungen den Markt zuletzt nach oben zogen. An den Kapitalmärkten wurden im Vorjahr vor allem Strategien belohnt, die stark konzentriert waren. Hinzu kam für Euro-Anleger der starke Währungsgegenwind. So hat der US-Dollar gegenüber dem Euro etwa zwölf Prozent an Wert eingebüßt. Doch uns machte auch die angesprochene starke Divergenz innerhalb des Marktes zu schaffen, verstärkt durch anhaltend hohes Momentum.

Wieso?

Unsere fundamentale Herangehensweise bringt es mit sich, dass wir tendenziell mit Käufen und Verkäufen etwas früher dran sind – im Momentum-Markt kostete dies Performance. Denn im Wechselspiel aus Gier und Angst überschießen Aktienkurse häufig ihren fundamentalen Wert – nur weil eine Aktie uns attraktiv bewertet erscheint, bedeutet das nicht, dass sie nicht kurzfristig weiter fallen kann, und nur weil sie uns zu teuer erscheint, heißt das nicht, dass sie nicht weiter steigen kann. Im letzten Jahr war dies besonders ausgeprägt: Firmen, die Investoren positiv überraschten, sahen meist weit überproportional steigende Kurse, während negative Überraschungen, selbst in kleinem Umfang, oft zu stark fallenden Aktienkursen führten.

Darf ich Sie auch hierzu um ein Beispiel bitten?

Gerne. Nehmen wir Idexx Laboratories, Weltmarktführer für Tier-Diagnostik, das vor allem Tierarztpraxen mit seinen Produkten, Software und Dienstleistungen versorgt. Idexx profitiert langfristig von der steigenden Bereitschaft, immer mehr Geld für Haustiere auszugeben und landete Ende 2024 bei uns erstmals im Portfolio. Damals galt der Ausblick für diesen Markt als verhalten, nachdem in der Corona-Pandemie sehr viele Haustiere angeschafft worden waren. Im April 2025 stockten wir nach einem Kursrutsch der Aktie weiter auf. Vom Tief im April bis zur Ankündigung starker Quartalszahlen im August hatte sich die Aktie nahezu verdoppelt. Das Unternehmen konnte sein Wachstum dank der erfolgreichen Einführung einer neuen Diagnoseplattform wieder beschleunigen. Angesichts der heftigen positiven Kursreaktion reduzierten wir unsere Position. Doch auf weitere gute Quartalszahlen reagierte die Aktie noch einmal überproportional positiv. Als daher am Tag der Quartalszahlen der Kurs Anfang November noch einmal um 15 Prozent zugelegt hatte, veräußerten wir unsere verbliebenen Anteile.

Hier war Momentum für Ihr Portfolio also eine positive Angelegenheit.

Das ist richtig. Und auch bei den vom Markt als KI-Profiteure auserkorenen Unternehmen haben wir profitiert – wenngleich etwas weniger als die großen, konzentrierten Indizes. Doch leider wirkte das Momentum auch bei den größten negativen Werttreibern im Portfolio. Zwar hatte keine unserer Beteiligungen einen nennenswerten Gewinneinbruch zu beklagen, in einigen Fällen fielen die Gewinnmultiplikatoren – also das Verhältnis vom Börsenwert zum Gewinn eines Unternehmens – im Momentum-Markt jedoch sehr deutlich.

Kann man sagen, dass Sie stärker im Portfolio reagieren müssen, wenn es zu solchen Übertreibungen oder Momentum-Märkten kommt?

Ja, das war im Jahr 2025 ganz sicher der Fall. Unter anderem nahmen wir acht Beteiligungen gänzlich neu auf und veräußerten vier vollständig. Fast alle Neuaufnahmen und wesentlichen Aufstockungen erfolgten dabei als Reaktion auf zum Teil deutliche Rückgänge der Aktienkurse, im Rahmen derer die Bewertungen aus unserer Sicht deutlich attraktiver geworden waren – und dies sowohl absolut als auch relativ zu den Verkäufen sowie Reduktionen im Fonds. Diese erfolgten ebenso primär aufgrund weniger oder im Falle der Verkäufe nicht mehr attraktiver Bewertungsniveaus infolge deutlicher Kursanstiege.

Das starke Auf und Ab bei den Aktienkursen ermöglichte Ihnen also bei manchen Aktien einen vorteilhaften Einstieg.

Ja, und so meinen wir, dass wir im für uns etwas enttäuschenden Aktienjahr 2025 die Weichen für künftige Erfolge legen konnten. Denn obwohl die einschlägigen Aktienindizes das Jahr nahe ihrer Allzeithochs abschlossen und die Bewertungen im Marktaggregat historisch hoch aussehen, gibt es aktuell aus unserer Sicht so viele attraktiv bewertete Aktien guter Unternehmen wie seit Jahren nicht mehr. Dieser Gedanke steckte auch hinter den zahlreichen Umschichtungen im Portfolio.

Herr Illig, vielen Dank für das Gespräch.

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